Karate ist nicht nur eine an Sieg oder an Niederlage zu bemessende Kampfkunst, sondern formt den Charakter wie den Willen des Ausübenden, so dass dieser in der Lage ist, psychische oder physische Hindernisse zu bewältigen.

Wesentliche Grundlage eines Karate Trainings bildet nach wie vor das gesunde Verhältnis zwischen Ehre, Pflicht und den Gefühlen, Neigungen oder Empfindungen.

Viele Meister aus Okinawa wollen Karate lieber als Kampfkunst denn als Kampfsport verstanden wissen, da sich das Karate Training sowohl aus einer körperlichen als auch aus einer geistigen Komponente zusammensetzt. Im Karate benötigt man neben einem starken Körper auch einen starken Geist. Man erlangt auch auf emotionaler Ebene die völlige Selbstkontrolle.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, sich zu Beginn des Trainings von jeglichem egozentrischen Gedankengut zu trennen. Im Karate geht es nicht in erster Linie darum, einen Gegner zu besiegen und zu gewinnen sondern an sich selbst zu arbeiten. Man kämpft einen inneren Kampf gegen sich selbst und kommt auf diese Weise dem Ziel von Menschlichkeit und Bescheidenheit einen Schritt näher. Karate Disziplin muss in jeder Lebenslage zur Geltung kommen. Ist dies der Fall, wächst mit der Zeit eine eigene Art des Denkens, Handelns und Empfindens sowie ein spezielles Moralgefühl heran. Man enscheidet sich nur dann für einen Kampf, wenn man nicht mehr weglaufen, den Rückzug antreten oder sich herausreden kann. Erst wenn man darauf verzichtet, einen Gegner zu besiegen, obwohl man dazu in der Lage ist, zeigt man wahre Stärke.

So ist die Kunst des Karate ein Weg (Do), der einen durch das ganze Leben zu führen vermag. Eine zentrale, von Gichin Funakoshi formulierte Aussage lautet: „Karate nisente nashi“ (Es gibt keinen Angriff). Nimmt man diesen Satz zu Herzen, so wird man erkennen, dass man ihn neben der wörtlichen Bedeutung, für das Karate Training, im übertragenen Sinn, wiederum für alle Bereiche des Lebens anwenden kann. Je länger man Karate praktiziert, desto mehr gelangt man zu der Einsicht, dass man im Grunde genommen in erster Linie einen Kampf gegen sich selbst austrägt.